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Branko Lenart, Pelluhue, Sur-real, 2013
Branko Lenart, Pelluhue, Sur-real, 2013

Branko Lenart – Big Sur Real

6. Oktober - 25. November

Eroffnung: 6. Oktober, 19h

Branko Lenart reist schon seit seiner Jugend um die Welt, er ist oft „on the road“. Dabei, so scheint es, fühlt er sich insbesondere von der südlichen Hemisphäre angezogen. Das Reisen hat er schon immer mit seiner zweiten Leidenschaft verbunden, die zu seiner professionellen Mission geworden ist – mit der Fotografie.

Es ist schwer, sein reiches Schaffen in einem kurzen Abschnitt zusammenzufassen, von der Mitte der 60er Jahren, als er begann, sich ernster der Fotografie zu widmen. Wenn wir im Gedächtnis, auf dem Bücherregal oder auf dem Bildschirm sein Opus durchgehen, stellen wir erst einmal fest, dass er die ganze Zeit zwischen der dokumentarischen und der konzeptuellen Autorenfotografie hin- und hergerissen war. Am Anfang, in seinen ersten Serien, gilt Lenarts Hauptinteresse den Menschen (Lush Life, On the Road, Styrians...), insbesondere widmete er sich sozialen Randerscheinungen, seien das Angehörige der damaligen urbanen Kontrakultur oder des ländlichen Sozialwesens. In den 70er Jahren erscheinen bereits seine ersten Serien mit Szenen von Landschaften und Menschen. Das wird wahrscheinlich am besten mit dem Terminus „Subjektivfotografie“ definiert, wo eher eine persönliche, manchmal sogar eine poetische Interpretation, und nicht „nur“ die Reproduktion, die Abbildung der aufgenommenen Realität (Seascapes, Krkavče, Millerton...) im Mittelpunkt steht. Den kreativen Höhepunkt hat Lenart, in den Augen vieler, mit seinem langwierigen konzeptuellen Projekt „Hand:Work“ erreicht, in dem er, meistens auf seinen Reisen, die Landschaft und die Figur, diesmal sich selber, erfolgreich in luzide visuellen Rebussen miteinander verschmelzen lies, wo es von Zitaten, Referenzen, Suggestionen und vor allem von surrealistischen Gegenüberstellungen nur so wimmelt. Die Rolle des Surrealismus, vor allem der Einfluss von Man Ray und Rene Magritte, prägt diesen Teil seines Werkes am meisten; insbesondere, wenn wir an die unausweichliche Textbegleitung denken, die - nicht nur in den Titeln – zu einem weiteren Markenzeichen Lenarts‘ Opus im Allgemeinen, insbesondere aber der schon erwähnten „Hand:Work“ Serie, geworden ist.

Im Sinne einer solchen extrem rudimentären Absteckung des 50-jährigen Schaffens, findet die diesmalige Auslese einen konsistenten Platz innerhalb der erwähnten Koordinaten, ist aber in ihrer Weise auch sehr spezifisch.

Durch die Vielzahl von Bildern, die Lenart auf seinen Streifzügen durch den Süden aufgenommen hat, vor allem um das Mittelmeer und Südamerika herum, zeigt sich der Autor uns in seinem vermutlich meist authentischem und primärem Wesen – wie ein immer neugieriger Reisender mit einem magischen Gerät fürs Einfangen von Licht und Erinnerungen. Deswegen sind diese Bilder erst einmal sehr subjektiv; bei so manchem, insbesondere bei denen älteren Datums, vermuten wir, dass der Autor trotz gleichzeitiger Aufnahme mit anderen, diese zunächst in die Schachtel des Privaten gegeben hat. Es gibt bei Lenart eine enorme Anzahl dieser visuellen Impressionen “von der Reise” und es fällt schwer zwischen den Hunderten davon, die „besten“ dreißig für eine Ausstellung auszusortieren.

Big Sur Real. Hier, auf dieser Adresse, in diesem erneut luziden Spiel von Wörtern und Bedeutungen, ist schon fast alles, oder das meiste umfasst worden, was es von Bedeutung ist, von dieser Fotoauswahl zu wissen und in einer gewissen Hinsicht auch über den Fotografen. Big Sur ist ein realer Ort an der kalifornischen Küste, doch wie ein Paradies der Freiheit, des Hedonismus und der Kontrakultur mythisiert und romantisiert, den viele besungen haben und dorthin umgezogen sind, unter ihnen Henry Miller, Edward Weston, Lawrence Ferlinghetti und selbstverständlich Jack Kerouac, der dort einen „Freiheitskult und Anarchiekult“ gefunden hat, dem er die gleichnamige Novelle gewidmet hat. Ein ausgedehntes Gebiet der symbolischen „Echten Freiheit“, paz real“ stellt Lenart gleich mit der ganzen Sur, dem lateinischen Süden – als „den echten Süden“, sur real, dar. Gleichzeitig erweckt es in ihm Gefühle der Überwirklichkeit, des Surrealismus in einer Bedeutung, die über den Einfluss des Surrealismus auf sein Werk reicht. Es ist für den Autor auf eine gewisse Weise ein imaginärer Ort vom „echten Licht“, eigentlich sein luz real – das Gebiet der ultimativen Inspiration. Es ist kein Zufall, dass auch seine Lebensgefährtin, seine „amor real“, die hiermit sein Schaffen und Leben in eine unzertrennliche Einheit verbindet, von dort kommt …

Die Wahl der Fotos aus einem fast 40-jährigen Zeitraum ist damit in gewisser Hinsicht eine ultimative Verbeugung zum siebzigsten Jahrestag des Autors. Mit dieser Ausstellung blickt Branko Lenart auf bestmögliche Weise auf seine außerordentliche Karriere zurück und teilt mit uns einige der schönsten Momente dieser Zeit. Als Fotograf und Mensch, der auf vielen anderen Gebieten seine Spuren hinterlassen hat (u.a. als Präsident vom slowenischen Artikel-VII-Kulturverein), stellt sich mit Big Sur Real wieder im „echten Licht“ vor. Respeto, Branko!