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Markus Guschelbauer: Caught in the Rack

6.11. – 5.12. 2015

Im November ist Markus Guschelbauer in der Photon Gallery zu Gast. In seinen Projekten zeigt er die Fotos und Objekte, die sich mit dem Verhältnis zwischen Künstlichkeit und Natürlichkeit beschäftigen. Analoge großformatige Fotografien zeigen einerseits die künstlerische, raumgreifende Eingriffe in Naturräume, werden Objekten gegenübergestellt, die zwischen Gebrauchsgegenstand und Artefakt changieren.

In seinen jüngeren Arbeiten verlegt Guschelbauer seinen künstlerischen Aktionsradius: der Außenraum wird zum Innenraum. Dieser tritt als inszenierter Wohnraum und auch als Regal, stellvertretend für das Wohnen als Möbelstück in Erscheinung. Der von Guschelbauer erzeugte Raum wird nun zur Bühne, auf der weiterhin Natur auftritt, jedoch abstrakt und als kulturell geschaffenes Konstrukt. Parallel zur inhaltlichen Auseinandersetzung, in der Begriffe wie Künstlichkeit und Natürlichkeit miteinander verglichen, aber auch kontrastiert werden, geschieht in der formalen Bildgestaltung eine Auseinandersetzung mit der Dichotomie von Raum und Fläche. Der real inszenierte dreidimensionale Raum wird für die Bildbetrachtung auf eine zweidimensionale Fläche hinuntergebrochen und zielt somit auf eine Verwirrung der räumlichen Wahrnehmung ab. Den großformatigen Fotografien werden Objekte gegenüber gestellt, die skulpturalen Charakter aufweisen. Gleichzeitig können diese im Ausstellungskontext wie Regale benutzt werden, und sie fungieren wiederum als Präsentationsplattform für zweidimensionale Objekte.

Habitatverlust bezeichnet den Rückgang von natürlichen Lebensräumen und Formen der Landschaftsveränderung: Die direkte Habitatzerstörung, sowie die Veränderungen durch Umweltverschmutzung, Klimaveränderung oder Fragmentierung und Zerstörung der Lebensräume führen zu einem globalen Verlust der biologischen Vielfalt. Unser natürlicher Lebensraum verschwindet zunehmend, um unsere Natur wird es immer enger. Ähnliches geschieht in Markus Guschelbauers Arbeiten. Der von ihm inszenierte Raum um die Natur herum, den er schlussendlich in großformatigen analogen Fotografien präsentiert, wird immer enger gezogen. Pflanzen werden durch analoges Freistellen im Sinne von rauminstallativen Eingriffen ihrer natürlichen Umgebung beraubt. Der natürliche Lebensraum wird durch einen künstlichen ersetzt, die Pflanze erscheint als künstliches Objekt.

Mit den Bildern und Objekten dieser Ausstellung führt der Künstler in eine Wirklichkeit, in denen das Absolute der Definitionen „natürlich“ und „künstlich“ in Frage und zur Diskussion gestellt wird. Wie natürlich ist ein gepflanztes, fachkundig geschnittenes Pfirsichbäumchen? Wie wahr ist die Behauptung, dass Schönheit natürlich „natürlich“ sein muss? Die Raffinesse von Guschelbauers Strategie liegt darin, dass er zeigt, wie wenig zielführend es ist, eine scheinbare Dichotomie vordergründig zu bebildern. Vielmehr nutzt er das komplementäre Wesen des vermeintlich Gegensätzlichen und kommt dadurch zu Ergebnissen, bei welchen, um einen Begriff aus der Mengenlehre zu verwenden, die Schnittmenge von Natur und Kunst beachtlich ist. Die Teile sind nicht ohne das Ganze zu haben, das Ganze erhält seinen Sinn erst durch seine Teile.

Markus Guschelbauer  geboren 1974 in Friesach / Kärnten, lebt und arbeitet in Wien. Zwischen 2003 und 2009 Fotografie Studium an der Universität für angewandte Kunst / Institut für Bildende und Mediale Kunst / Prof. Gabriele Rothemann. Seit 2009 als freischaffender Künstler tätig.